Dienstag, den 02. Februar 2010 um 16:01 Uhr

Vorübergehend unterbrochen

Gedanken zur Passions- und Osterzeit



Sie hatte diese Nummer nicht wählen wollen. Sie wollte ihre Schwester anrufen, um noch einmal eine Verabredung für den Abend zu treffen. Es gab noch manches zu regeln, ehe sie wieder heimfuhr. Vor einer Woche hatten sie ihre Mutter zu Grabe getragen, vor wenigen Tagen war der Haushalt aufgelöst worden. Der Schmerz war noch unvermindert tief.
Instinktiv hatte ihre Hand die Nummer der Mutter gewählt, eine seit Jahren liebgewordene, in den letzten Wochen tägliche Gewohnheit. Entsetzt wollte sie den Hörer einhängen, als sie sich dessen bewusst wurde, voller Angst, das schreckliche, endgültige "Kein Anschluss unter dieser Nummer" hören zu müssen. Aber ihre Hand war wie gelähmt. Ihr wurde heiß in der Telefonzelle. Sie war unfähig sich zu rühren. Und dann geschah etwas Seltsames. Sie hörte die freundliche Stimme des "Fräuleins vom Amt" - auf ein seelenloses Tonband gebannt - etwas sagen, was sie nie zuvor und niemals danach mehr gehört hatte: "......diese Verbindung ist vorübergehend unterbrochen....."
Langsam, verwirrt hängte sie den Hörer ein und sann den Worten nach, die sie soeben vernommen hatte. Ihre Gedanken klammerten sich an das Wort "vorübergehend", hakte sich daran fest. Diese Verbindung ist vorübergehend unterbrochen, dachte sie, nur vorübergehend. Eine amtliche Auskunft wurde für sie zur dogmatischen Aussage: Irgendwann wird diese Verbindung wiederhergestellt werden, zu einem Zeitpunkt, den Gott bestimmt.
Getröstet fuhr sie heim.
(von Gerda Beissel)

Ich gebe zu, mir fällt es manchmal nicht leicht, den Sieg Jesu über den Tod zu glauben. Denn der Tod begegnet uns auf Schritt und Tritt.
Auf dem Friedhof sehe ich die Gräber, lese die Namen der Verstorbenen, Geburtstag und Todestag. Manche viel zu früh gestorben. Trotz aller Blumen und Grabschmuck scheint mir jedes Grab zu sagen: Der Tod hat doch das letzte Wort!
In den Nachrichtensendungen und Zeitungen überwiegen die schlechten Nachrichten: Krieg und Katastrophen, Gewalt und Verbrechen. Die Hiobsbotschaften reißen nicht ab. Ist es da nicht verständlich, dass es schwer fällt zu glauben, dass Gottes Liebe zum Leben stärker ist, als der Hass des Todes?
Dann bleibt mir nichts anderes, als gegen den Augenschein zu glauben. Wie die Frauen am leeren Grab muss ich daran erinnert werden: Jesus ist auferstanden. Er hat den Tod überwunden. Er lebt. Weil Jesus auferstand, sind die Gräber auf unseren Friedhöfen nicht die letzte Ruhestätte.
Es ist wahr, wir glauben an die Auferstehung Jesus, wir glauben an den Sieg des Lebens gegen den Augenschein.
Jesus ist von den Toten auferstanden. Das macht uns gewiss, auch wir werden nicht im Tod bleiben, sondern auferstehen und leben - ewig leben!

Der Tod hat nicht das letzte Wort - unser Leben wird "vorübergehend unterbrochen".

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